Die Sessionmitschnitte
von Bong Arz
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Bong Arz

frei improvisierte Musik



12.06.2009 Hypnotic Twilight Poetry


Ein sphäriges Rauschen und Verrauschen von Klangfahnen eröffnet ein überirdisches Szenario. In diesem sind gleichwohl Guitarre und Stimme bodenständig. Die sphärischen Klänge halten deshalb inne und nähern sich vor allem der irdischen Stimme und umhüllen sie kurz. Die Keyboardklänge holen hier die Stimme ab zu der epischen Weite, für die sie sich entschieden haben.

In diesem klanglich weit gespannten Raum findet nun, darin eingebunden, eine Reflektion des bodenständigen Gegenpols statt. Die Reflektion erfolgt aus einer Gesamtheit heraus, die die Gegenpole vereint; und doch ergeben sich aus ihr die Würdigungen der unterschiedlichen Standpunkte.

Eine hermetische Innenschau, die sich daraus entwickelt, hat etwas herb Philosophisches. Einzig die Guitarre bleibt bei ihrer schon seit Anfang vital ausagierenden Art - wird jetzt aber auch in den sich langsam verdichtenden Fokus hineingezogen.

Viel Bewegung, auch emotionale Bewegung, ergibt sich nun als Material aufsteigend aus dieser gemeinsamen Kontraktion und findet den gesamten bisherigen Rahmen als Freiheit vor. Alle bisher angeklungenen Elemente tauchen immer wieder darin auf.

Bei der Halbzeit gibt es eine Rückkunft zum Anfang. Nur ist hier die gemeinsame Haltung gelassener, beinahe verhaltend. Auch die Guitarre ist aus ihrer individuellen Vitalität in eine deutlichere Klangresonanz gegangen.

In der Wiederaufnahme der Ausgangssituation vollzieht sich jetzt weniger eine Reflektion, wie im ersten Teil, sondern die Geburt einer Reihe von bejahenden musikalischen Versprachlichungen.

Die ganze Zeit, und dies bleibt so bis zum Schluss, sind die sphärischen Klänge des Keyboards und die auslotende Tiefe, die es gestaltet, ausschlaggebend für den gesamten musikalischen Rahmen und Prozess.

Der etwa 14 Minuten lange Schlussteil ist der Ruf des Klangkörperlichen in den überindividuellen gemeinsamen Klang; zum letztendlichen Schluss hin in immer reduzierterer Form. Die Zwiespältigkeit eines Rufs in die Gemeinsamkeit klingt dabei sachte an. Interessant ist, dass das Traggerüst des bisher gemeinsam Überspannenden, der Keyboardklang, diese Zwiespältigkeit ausdrückt, während die Guitarre mittlerweile die protuberanzartige Klangsphäre des Anfangs geworden ist. Die Stimme zieht eine reduziert abgeklärte Bilanz.