Herbert Holzkämper

geboren im März 1950 in Neuwied
gestorben am 20. März 2013 in Berlin
beigesetzt in Neuwied-Irlich

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Letzter Gruß an meinen Freund Herbert
von Michael Hoeldke

Du konntest so viel und wusstest so viel. Man konnte viel von Dir lernen. Langsam und kraftvoll, wie ein starker Schlepper mit einem tüchtigen Lotsen an Bord, und gerne gegen den Strom.

Du hattest große Musikalität in Dir, führtest einen sicheren Pinsel, und was im Fokus war, hieltest Du fest.

Du warst ein Künstler, mit allem, was man Künstlern nachsagt, aber auch mit allem, was einen Künstler ausmacht.

Du musstest Dein großes Herz nicht auf der Zunge tragen, es schlug auch so vernehmlich, und Du kanntest dabei den Unterschied zwischen persönlich und privat. Für Dich. Für Andere.

Phlegmatisch? Das war nur äußerlich. Dein Denken, Dein Humor waren schnell und klug, man musste das Gehirn einschalten, um hier mitzukommen. Deine Phantasie war von der Sorte: "Wie macht der das?" Du konntest am Biertisch einen Menschen aus dem Stegreif erfinden und ihn dann so beschreiben, dass man nicht immer genug Luft zum Lachen hatte.

In Gesprächen konnte man knirschend mit Dir aneinander geraten, doch das machte nichts; denn so gut Dein Gedächtnis auch gewesen sein mag - nachtragend warst Du letztlich nie. Bei Konflikten warst Du einer der wenigen mit dem Mut, Dich zwischen Stühle zu setzen, man konnte mit Deiner Hilfe Frieden finden. Dein Beruf -Psychologe- kam Dir dabei zu Hilfe, doch letztendlich hat Dich Deine Persönlichkeit dazu befähigt; Deine Kraft und die Lauterkeit Deines Menschenbildes, das man mit Fassaden nicht manipulieren konnte, standen Pate.

Du warst Genussmensch; für einen Genussmenschen geht die Zeit immer viel zu schnell, und gerade Du hast es mit der Zeit gehabt, Herbert. Die vielen Wecker in Deinem Regal sprachen davon, Du wolltest mehr von der Zeit haben. Daneben Deine vielen Bücher, Zeit konservierend, und man hatte den Eindruck, Du habest alle gelesen, würdest noch alle lesen.

Du hattest nicht nur einen sehr guten Denkapparat, Du hast ihn auch benutzt, das hatte Charakter. Die Kunst, die Photographie, die Literatur, die Musik, Du hast sie alle geliebt, und sie liebten Dich auch. Und Du kanntest die Liebe zu Frauen, aber Deine Träume haben sich hier nicht erfüllt. Vielleicht hat Dir das den entscheidenden Schlag versetzt. Denn in Liebesdingen hat er Dir nichts genützt, Dein Panzer, der Dein empfindliches Innenleben sonst geschützt hat.

Dieses Innenleben, das einem so viel Freude machen konnte. Mit Deinen Geschichten, Deinen Bildern, Deiner Musik, Deiner Zuwendung.
Die "Kochungen" bei Dir hatten Abenteuerflair. Zum Essen gab es dann Jazz, Rolling Stones, Edgar Wallace, Beikircher, Fußball, oder Du zaubertest etwas völlig neues aus Deinem Zylinder, der unendlich tief zu sein schien. Das konnte man nie genau wissen. So überraschend kamen auch manchmal Deine Anrufe: An schönen Tagen ludest Du mich ein zur "Strukturensuche". Dann fuhren wir, mit Kamera bewaffnet, durch das wiedergewonnene Berliner Umland, und selbst Orte, an denen man schon einmal war, wirkten  durch Deine Gesellschaft wie nie gesehen.
Abends beschloss man den Tag mit einem, wie Du es nanntest: Feierabendbierchen. Da schwelgte man dann in den Erinnerungen, die man gerade kurz zuvor erworben hatte. Das habe ich geliebt, denn die Eigenschaft, Genussmensch zu sein, haben wir geteilt. Da wurde es oft spät, so spät, dass die Nacht, die wir ignoriert hatten, dann vor uns das Feld räumen musste.

Nun hat die Nacht Dich eingeholt, für immer. Sie war Dir schon einmal dicht auf den Fersen, damals in der Charité, als Du nach schon überstandener Operation hinterrücks vom Tode angegriffen wurdest. Den hattest Du damals mit Deiner unglaublichen Kraft abwehren können.

Danach warst Du noch einmal so gut in Form, wie ich es nie sonst gesehen habe, vorher nicht und nachher nicht. Dein ganzes Wesen war in voller Blüte, nicht nur körperlich. Deine Photos, Deine Malerei, die Gespräche mit Dir hatten mehr Tiefe, waren nicht mehr so geprägt von dieser nicht enden wollenden jugendlichen Sorglosigkeit. Die Musik mit "Deinem" Trio "Bong Arz" wurde reifer.

Und gerade solche Reifungsprozesse sind es, die im andauernden Wettkampf unserer Gesellschaft oft schwächen: Mit dem Denken kommen die Bedenken. Andere, Dümmere haben damit weniger Sorgen.
Das musstest Du auf Deiner Arbeitsstelle erfahren: Eine Institution, eigentlich dafür geschaffen, Menschen ins Leben zu führen, machte Dir das Leben schwer. Du hattest etwas gegen Standardisierung und Corporate Design, wolltest Deinen Beruf nicht durch Normen zu sehr einengen lassen. Bei Deinen Klienten bist Du davon ausgegangen, dass sie eine Seele haben, deren Entwicklung man nicht ausreichend in Formschreiben darstellen kann.

Zum Glück konntest Du Dich bis zuletzt austauschen, mit Deinen Mitmusikern bei Bong Arz, die das Projekt ohne Dich nicht mehr weiterführen mögen, aber auch an den Abenden bei Hacky's Pub, dem Lokal, für das Du mehr als nur ein Gast warst, Du warst ein Freund.
Leider ist es uns beiden nicht mehr gelungen, uns dort noch einmal zu treffen, vielleicht sogar mal ein Fußballspiel zusammen zu sehen.

Herbert, Du hast nicht an Gott geglaubt und trotzdem gewusst, dass es eine Seele gibt. Meiner hast Du mit Deinem Weggang sehr weh getan, tu das nie wieder!

Wo mag Deine Seele jetzt sein? Hoffentlich in guter Gesellschaft, die Dich verdient, denn eines bist Du nie gewesen: Langweilig!

Also: Dahin, wo Du jetzt bist, ruf ich: Danke, dass Du hier warst, jederzeit wieder! Gehab Dich wohl!